Smart Textiles für ein einfacheres Leben

17.11.2016

Am 16. November 2016 eröffnete das Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA) gemeinsam mit seinen koreanischen Partnern, dem Korea Institute of Industrial Technology (KITECH) und der  Sungkyunkwan University (SKKU), das Dream2Lab2Fab (gesprochen: Dream-to-Lab-to-Fab) am Standort Vaalser Straße 460 in Aachen mit einer feierlichen Tape-Cutting-Zeremonie. 

  Schnitt des Einweihungsbandes ITA Schnitt des Einweihungsbandes

Diese weltweit einmalige Kooperation führte die herausragenden Kompetenzen der jeweiligen Partner zusammen, um in Kooperation mit klein- und mittelständischen Unternehmen aus beiden Ländern die Serienfertigung von intelligenten Textilien (Smart Textiles) zu realisieren. Das ITA steht als Teil der Exzellenz-Universität RWTH Aachen University dabei für die automatisierte textile Produktionstechnik, die im Aachener Forschungscenter vorangetrieben wird. Die koreanischen Partner bringen ihr exzellentes Know-how im Bereich von Textilien, Consumer Electronic und Digitalisierung ein und gründen hierfür ein weiteres Center in Korea in der ersten Jahreshälfte 2017.

Warum Smart Textiles?

Smart Textiles übernehmen vielfältige Funktionen im menschlichen Alltag: Beispiele sind eine medizinische Überwachung von Körperfunktionen, Sensoren in Arbeits- und Schutzbekleidung oder die Energiegewinnung durch textile Photovoltaik. Markt-Szenarien gehen von einem Umsatz in der Größenordnung von ca. 12 Mrd. US $ im Jahr 2020 aus, bei einer Wachstumsquote von ca. 20%. Hierin liegt ein riesiges Potential für mittelständische Unternehmen aus beiden Staaten, um neue Geschäftsfelder und –modelle zu erschließen und neue Arbeitsplätze zu realisieren. Dafür sollen in Deutschland und Korea jeweils ca. 20 Mio. € in die Forschungscentren investiert werden.

Die Bedeutung dieser Eröffnung zeigte sich durch die Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste aus Korea und Deutschland. Hierzu zählten:

  • Herr Kyung-pil Nam: Gouverneur der Gyeonggi-Provinz aus Süd-Korea (vergleichbar mit dem Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes)
  • Herr Youngsoo Lee, Ph.D.: Präsident des KITECH (vergleichbar mit der Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland)
  • Herr Kyu Sang Chung, Ph.D.: Präsident der SKKU (vergleichbar mit einem Universitätsrektor)
  • Herr Dr. Thomas Grünewald, Staatssekretär im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Herr Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen
  • Herr Prof. Dr. Aloys Krieg, Prorektor der RWTH Aachen University.

    Dream2Lab2Fab fußt auf Industrie 4.0, also der Verzahnung von industrieller Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik. Intelligente, digital vernetzte Systeme ermöglichen eine weitgehend selbstorganisierte Produktion und dadurch eine direkte Kommunikation und Kooperation zwischen Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkten. Dadurch wird die Herstellung flexibler und es ist möglich, Waren kundenindivididuell und in Serie zu fertigen.

    Die zur Eröffnung des Aachener Forschungscenters vorgestellten Anlagen und Demonstratoren unterstreichen diese Möglichkeit einer flexiblen Massenfertigung:

  • die automatische Bestückung von Textilien mit elektronischen Bauteilen – dies war bisher nur manuell möglich;
  • die Vereinigung von Digital- und Funktionaldruck - digitale

    Drucke können nun nach Kundenwunsch funktionell gestaltet werden, z. B. kann ein Teil des Druckes durch besondere Drucktechnik oder spezielle Garne leuchten;

  • Sticktechnik für Smart Textiles - durch die Sticktechnik mit leitfähigen Garnen ist es erstmals möglich, elektronisch Features aufzubringen, z. B. eine Leuchtfunktion der Textilien.

    Daneben wurden die folgenden Smart Textiles gezeigt:

  • ein interaktives Leuchtkissen – ein Leuchtkissen mit programmierbaren LED-Chips, die per WLAN beliebige Farben, Texte oder Muster auf dem Kissen anzeigen können (s. anliegendes Bild);
  • ein interaktiver Vorhang – ein Vorhang, der sich per Berührung öffnet;
  • heizende Textilien – Textilien, die durch elektrisch leitende Fasern und Stromzuführung heizen können.

    Dream2Lab2Fab manifestiert die seit drei Jahren bestehende und stetig gewachsene Zusammenarbeit zwischen ITA, KITECH und SKKU im Gebäude an der Vaalser Str. 460, um gemeinsam an Forschungsthemen rund um das Thema „Smart Textiles“ zu forschen.

    Wie geht es weiter?

    Die inhaltliche Zusammenarbeit wird durch weitere bilaterale Forschungsprojekte und Industriekooperationen ausgebaut. Dazu wird die Kooperation mit weiteren Instituten der RWTH unterstützt, um die interdisziplinäre Forschung voranzutreiben.

    Innerhalb der nächsten drei Jahre ist der Bau eines neuen Gebäudes in beiden Ländern geplant.

    Bilder:

  1. Schnitt des Einweihungsbandes (von links nach rechts): Herr Chang Rok Keum, Generalkonsul der südkoreanischen Botschaft; Herr Prof. Dr. Thomas Gries, ITA-Institutsleiter; Herr Prof. Dr. Aloys Krieg, Prorektor RWTH Aachen University; Herr Kyu Sang Chung, Ph.D., Präsident der Sungkyunkwan University (SKKU); Herr Kyung-pil Nam, Gouverneur der Gyeonggi-Provinz von Süd-Korea; Herr Dr. Thomas Grünewald, Staatssekretär im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW; Herr Prof. Dr. Matthias Jarke, Institutsleiter Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik FIT; Herr Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen; Herr Youngsoo Lee, Ph.D., Präsident des Korea Institute of Industrial Technology (KITECH), Herr Adjunct-Prof. (Clemson-Univ.) Dr. Yves-Simon Gloy, ITA-Bereichsleiter Textilmaschinenbau; Quelle: ITA
  2. Sticktechnik für Smart-Textiles, Quelle: ITA
  3. Interaktives Leuchtkissen, Quelle: ITA