Erneut VDMA-Auszeichnungen für Absolventen des ITA der RWTH Aachen University

02.06.2017

Frankfurt/Main, 11. Mai 2017       Karsten Neuwerk und Lukas Völkel vom Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University wurden während der Techtextil 2017 für ihre herausragenden studentischen Abschlussarbeiten prämiert.

  Die Preisträger mit Peter D. Dornier (Lindauer Dornier) und Kollegen VDMA Die Preisträger mit Peter D. Dornier (Lindauer Dornier) und Kollegen (v. l. n. r.: Dr. Thorsten Anders, Benjamin Weise, Gesine Köppe, Pavan Manvi (alle ITA), Peter Dornier (Lindauer Dornier), Lukas Völkel, Karsten Neuwerk, Dr. Yves-Simon Gloy (alle ITA)

Die Kreativpreise erhielten die beiden Absolventen für die Entwicklung lichtleitender Fasern auf Basis nachwachsender Polymerwerkstoffe (Karsten Neuwerk) und die Entwicklung textiler Ladungsspeichersysteme durch graphenmodifizierte Polyamid-Fasern (Lukas Völkel). Die Preise sind mit einem einjährigen Förderstipendium über 250 Euro pro Monat dotiert. Peter D. Dornier, der Stiftungspräsident der Walter-Reiners-Stiftung des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer und Vorsitzende der Geschäftsführung der Lindauer DORNIER, überreichte die Auszeichnungen auf dem Stand des VDMA anlässlich der Messe Techtextil in Frankfurt am Main.

Polymer-lichtleitende Fasern - eine echte Alternative

Doktorand Pavan Kumar Manvi betreut Karsten Neuwerk am ITA und erläutert: „Polymer-lichtleitende Fasern sind eine echte Alternative zu Glasfasern, weil sie ein geringes Gewicht haben und sehr flexibel sind. Dazu sind sie kostengünstig herzustellen und einfach und nahezu universell einsetzbar bei kurzen Lichtleitungsstrecken. Wir konnten erstmalig elastische Polymer-lichtleitende Fasern aus Kohlendioxid-basiertem Polymer entwickeln und eröffnen damit vielseitige neue Anwendungsfelder, die bisher mit den weit weniger elastischen Glasfasern nicht gefüllt werden konnten.

Die neuen Anwendungsfelder liegen z. B. in der Automobilindustrie, beispielsweise in der Umrandung des Armaturenbretts oder anderen wesentlichen Teilen innerhalb des Autos mit Polymer-lichtleitenden Fasern. So kann man wichtige Bereiche im Auto aus Sicherheitsaspekten hervorheben und stilistisch neue Gestaltungselemente schaffen.

Sollektoren, die Tageslicht in Räume ohne Fenster transportieren, sind ein weiteres Anwendungsbeispiel. Da die Polymer-lichtleitenden Fasern elastisch sind, ist es möglich, alle Arten von Räumen mit Tageslicht auszustatten. Eine weitere Anwendung der Polymer-lichtleitenden Fasern findet sich bei leuchtenden Textilien, z. B. für spezielle Effekte bei festlicher Kleidung. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass wir zur Verbesserung der Umweltbilanz beitragen, weil bei der Polymer-Herstellung das Treibhausgas Kohlendioxid chemisch in das Polymer eingebaut und somit verbraucht wird.“

Graphen – „Wundermaterial des 21. Jahrhunderts“

Graphen, die einlagige Variante des Graphits, gilt aufgrund seiner herausragenden mechanischen und elektrischen Eigenschaften als „Wundermaterial des 21. Jahrhunderts“. So besitzt es Anwendungspotenzial für neuartige, hochleistungsfähige Elektroniktechnologien (z.B. Terrahertz-Elektronik und durchsichtige Displays aus Kunststoff), Ladungsspeichersysteme, Sensorik und vieles mehr. Dazu wird Graphen als potenzielles Material für den „Weltraumlift“ diskutiert. Problematisch für eine breite industrielle Anwendung ist die eingeschränkte kommerzielle Verfügbarkeit. Neben der Nutzung für neue Elektroniktechnologien ist Graphen auch für Textilien interessant. So könnten elektrisch leitfähige Fasern in sogenannte „Smart Textiles“ oder textile Ladungsspeicher mit durch Graphen modifizierten Fasern als Elektrodenmaterial realisiert werden.

Doktorand Benjamin Weise betreut Lukas Völkel am ITA und war sehr zufrieden über dessen hervorragendes Abschneiden: „Zum ersten Mal haben wir Graphen in ein Polymermaterial eingebracht und daraus eine textile Struktur im Pilotmaßstab entwickelt. Dies gibt der technischen Weiterentwicklung vom Labor in die Industrie einen großen Schub.“

Die Walter-Reiners-Stiftung prämiert Studierende für ihre Entwicklung besonders kreativer und zukunftsträchtiger textiler Innovationen mit einem Förderstipendium oder einem festen Geldbetrag. Das ITA stellte hier zum wiederholten Mal einige der Preisträger.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und hoffen, mit unseren Ideen für eine nachhaltigere und bessere Welt jenseits der Metalle beitragen zu können“, so die Aussage der jungen Akademiker nach der Preisverleihung. „Es gibt jedoch keinerlei Grund für uns, schon in Zufriedenheit zu verfallen – der Anfang ist gemacht. Jetzt gilt es, diese Technologien weiterzuentwickeln“.

Weitere Auszeichnungen wurden an Studierende der Technischen Universität Chemnitz sowie der Technischen Universität Dresden verliehen.